Warum Multitasking Deine Produktivität killt – und wie Du Dich besser fokussierst
Du hast den ganzen Tag gearbeitet, E-Mails beantwortet, Meetings besucht und Aufgaben erledigt. Trotzdem hast Du das Gefühl, nichts wirklich geschafft zu haben? Damit bist Du nicht allein. Warum Multitasking oft mehr Zeit kostet als spart, weshalb Fokus heute eine Schlüsselkompetenz ist und wie Du ab sofort produktiver arbeitest, erfährst Du in diesem Beitrag.
Multitasking gilt in unserer Arbeitswelt oft als Stärke. Wer mehrere Dinge gleichzeitig erledigt, wirkt engagiert, belastbar und leistungsfähig. Doch genau hier liegt das Problem: Beschäftigt zu sein bedeutet noch lange nicht, produktiv zu sein.
Vielleicht kennst Du das auch. Du startest motiviert in den Tag. Noch bevor Du mit Deiner eigentlichen Aufgabe begonnen hast, beantwortest Du die ersten E-Mails. Dann folgt ein Meeting. Danach wartet bereits die nächste Nachricht in Teams. Das Telefon klingelt. Ein Kollege hat eine Frage. Zwischendurch versuchst Du, an einem Konzept, einer Präsentation oder einem Projekt weiterzuarbeiten.
Am Abend fragst Du Dich: Was habe ich heute eigentlich geschafft?
Was ist Multitasking überhaupt?
Die klassische Multitasking-Definition beschreibt die Fähigkeit, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Im Arbeitsalltag bedeutet das beispielsweise, eine E-Mail zu schreiben, nebenbei einem Meeting zuzuhören und gleichzeitig auf eingehende Nachrichten zu reagieren.
Das klingt effizient, ist es aber meistens nicht. Denn bei komplexen Aufgaben funktioniert echtes Multitasking kaum. Unser Gehirn erledigt nicht mehrere anspruchsvolle Tätigkeiten gleichzeitig. Es springt vielmehr ständig zwischen ihnen hin und her. Deshalb hört man immer häufiger die Aussage: Multitasking gibt es nicht. Zumindest nicht so, wie die meisten Menschen es verstehen.
Warum Multitasking Deine Produktivität bremst
Was bei Multitasking tatsächlich passiert: Dein Gehirn wechselt permanent den Fokus. Jedes Mal, wenn eine Nachricht aufpoppt, jemand eine Frage stellt oder Du kurz in ein anderes Programm wechselst, musst Du Dich anschließend wieder neu in Deine eigentliche Aufgabe hineindenken. Vielleicht dauert die Unterbrechung selbst nur wenige Sekunden. Der eigentliche Zeitverlust entsteht jedoch danach. Studien zeigen, dass es nach einer Störung sogar 23 Minuten dauert, um wieder in die ursprüngliche Aufgabe hineinzufinden.
Das Ergebnis:
- Deine Konzentration sinkt.
- Die Fehlerquote steigt.
- Aufgaben dauern länger.
- Die Qualität Deiner Arbeit leidet.
- Du fühlst Dich gestresster und erschöpfter.
Der Produktivitätsverlust durch Multitasking lässt sich übrigens auch in Zahlen festlegen. Untersuchungen zeigen, dass die kurzen mentalen Unterbrechungen beim Wechsel zwischen Aufgaben bis zu 40 % der produktiven Arbeitszeit kosten können.
Warum Du Dich trotz eines vollen Arbeitstages unproduktiv fühlst
Viele Menschen arbeiten den ganzen Tag und haben trotzdem das Gefühl, nichts geschafft zu haben. Das liegt daran, dass uns oft ein sichtbares Ergebnis fehlt – vor allem bei Menschen in Bürojobs ist das der Fall. Wir arbeiten in Postfächern, Chatprogrammen, Meetings und digitalen Tools.
Am Ende des Arbeitstages halten wir kein fertiges Werkstück oder Produkt in Händen, sondern meist eher neue Mails mit Aufgaben, neue Nachrichten und neue To-dos. Das Gefühl gleicht manchmal dem berühmten Sisyphos, der seinen Stein immer wieder den Berg hinaufrollen muss und dabei nie fertig wird. Das bedeutet nicht, dass Du nichts geleistet hast. Aber es erklärt, warum sich viele Arbeitstage unbefriedigend anfühlen. Es fehlt das greifbare Ergebnis. Der Moment, in dem Du sagen kannst:
„Das habe ich heute abgeschlossen.“
Genau deshalb ist Fokus so wichtig. Fokus hilft Dir dabei, wieder sichtbare Ergebnisse zu schaffen, statt den ganzen Tag nur auf neue Reize zu reagieren.
Beschäftigung ist nicht dasselbe wie Produktivität
Ich erlebe immer wieder Menschen, die unglaublich fleißig arbeiten und trotzdem kaum vorankommen. Mein Tipp daher: Stelle Dir diese Fragen, bevor Du in jeden Arbeitstag startest:
- Welche Aufgaben bringen Dich wirklich weiter?
- Welche Tätigkeiten zahlen auf Deine Ziele ein?
- Welche Tätigkeiten halten Dich lediglich beschäftigt?
Wer beginnt, diese Fragen ehrlich zu beantworten, macht oft einen großen Schritt in Richtung echter Produktivität.
Die größten Produktivitätskiller im Arbeitsalltag
Zu viele Meetings
Meetings gehören zu den größten Produktivitätsbremsen überhaupt. Besonders dann, wenn keine klare Agenda existiert, zu viele Personen eingeladen werden oder keine Entscheidungen getroffen werden. Viele Menschen sitzen täglich mehrere Stunden in Meetings und fragen sich anschließend, wann sie eigentlich ihre Arbeit erledigen sollen. Allein durch eine bewusstere Meetingkultur lässt sich oft erstaunlich viel Fokuszeit zurückgewinnen.
E-Mail- und CC-Flut
Viele Unternehmen haben keine klare Kommunikationskultur. Die Folge: Mitarbeiter werden vorsorglich in CC gesetzt, erhalten Informationen, die sie gar nicht benötigen, und verbringen einen großen Teil ihres Tages damit, Nachrichten zu sortieren. Je mehr E-Mails in Deinem Postfach landen, desto häufiger wirst Du aus Deiner Konzentration gerissen.
Teams, Chats und Messenger
Jede Nachricht fordert Aufmerksamkeit. Jede Benachrichtigung unterbricht Deinen Fokus und jeder kurze Blick auf den Bildschirm kostet Konzentration. Deshalb geht es nicht nur darum, welche Tools Du nutzt. Es geht darum, wie Du sie nutzt. Überlege Dir bewusst, wann Du E-Mailprogramme und Messenger öffnest. Oft hilft es bereits, feste Zeitfenster für Nachrichten einzuplanen, statt permanent erreichbar zu sein. Und ganz wichtig: Schalte unbedingt automatische Benachrichtigungen und Push-Nachrichten aus, um nicht ständig aus Deiner aktuellen Tätigkeit herausgerissen zu werden.
Die Drei-Punkte-Regel: Weniger vornehmen, mehr erreichen
Ich starte viele Tage mit einer ganz einfachen Frage:
Welche drei Dinge müssen heute wirklich erledigt werden?
Nicht zehn, nicht zwanzig, sondern drei. Diese drei Punkte geben Deinem Tag eine Richtung. Wenn Du sie am Ende Deines Arbeitstages erledigt hast, wirst Du dich produktiver und zufriedener fühlen. Außerdem verhindert diese einfache Methode, dass Du den ganzen Tag nur reagierst und am Abend feststellst, dass die wirklich wichtigen Dinge liegen geblieben sind.
Außerdem lohnt es sich, den eigenen Perfektionismus regelmäßig zu hinterfragen. Dabei kann das Pareto-Prinzip helfen, Prioritäten zu setzen und Perfektionismus abzulegen. Muss eine Aufgabe wirklich zu 100 Prozent perfekt sein oder reichen in diesem Fall 80 Prozent aus?
Gerade Menschen mit hohem Qualitätsanspruch verlieren viel Zeit und Energie, weil sie an Details arbeiten, die kaum zusätzlichen Nutzen bringen. Frage Dich daher bewusst, wo ein gutes Ergebnis ausreicht und wo Perfektion tatsächlich notwendig ist.
Fokuszeiten schaffen statt ständig reagieren
Eine der wirksamsten Methoden gegen Multitasking sind feste Fokuszeiten.
Dabei reservierst Du Dir bewusst Zeitfenster im Kalender, in denen Du ungestört an wichtigen Aufgaben arbeitest. Keine Meetings, keine E-Mails und keine spontanen Unterbrechungen. Gerade Führungskräfte und Menschen, die stark konzeptionell arbeiten, profitieren enorm davon, wenn sie regelmäßig Zeitblöcke schaffen, in denen sie strategisch denken, Konzepte entwickeln oder anspruchsvolle Aufgaben bearbeiten können.
Plane daher bewusst Fokuszeiten ein und behandle sie genauso verbindlich wie einen wichtigen Kundentermin. Du wirst schnell merken, wie viel leichter es fällt, Themen wirklich abzuschließen, statt sie immer wieder neu beginnen zu müssen.
Warum Führungskräfte Fokus ermöglichen müssen
Fokus ist übrigens nicht nur eine Frage der Selbstorganisation, sondern auch eine Frage von Führung. Wenn in einem Unternehmen erwartet wird, dass jede Nachricht sofort beantwortet wird, entsteht Dauerstress und konzentriertes Arbeiten wird fast unmöglich.
Führungskräfte können hier einen großen Unterschied machen – vor allem im Sinne ihrer Vorbildwirkung:
- Meetingfreie Zeiten schaffen
- Kommunikationsregeln etablieren
- Fokuszeiten erlauben
- Erreichbarkeit bewusst gestalten
Wer Fokus ermöglicht, steigert nicht nur die Produktivität, sondern oft auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter.
Energie schlägt Zeitmanagement
Produktivität hat nicht nur etwas mit Zeit zu tun, sondern vor allem mit Deiner verfügbaren Energie. Selbst die beste Planung bringt wenig, wenn Du müde, gestresst oder dauerhaft erschöpft bist. Deshalb sind gezielte Fokuszeiten nur eine Seite der Medaille. Genauso wichtig sind bewusste Auszeiten, in denen Du neue Kraft tankst und Deinem Gehirn die Möglichkeit gibst, Informationen zu verarbeiten und sich zu regenerieren.
Wer regelmäßig auf seine Energie achtet, profitiert gleich mehrfach: Du kannst Dich länger konzentrieren, triffst bessere Entscheidungen, arbeitest effizienter und fühlst Dich am Ende des Tages weniger ausgelaugt. Langfristig hilft Dir das nicht nur dabei, produktiver zu sein, sondern auch gesünder und zufriedener zu arbeiten.
Dazu gehören insbesondere:
- Bewegung, um Stress abzubauen und den Kopf freizubekommen
- Ausreichend Schlaf, damit Dein Gehirn leistungsfähig bleibt und sich erholen kann
- Gute Ernährung, die Dich mit der nötigen Energie für konzentriertes Arbeiten versorgt
- Regelmäßige Pausen, um Deine Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und mentale Ermüdung zu vermeiden
- Feste Feierabende, damit Arbeit und Erholung klar voneinander getrennt bleiben
- Zeit für Familie, Freunde und Hobbys, um neue Energie zu schöpfen und einen gesunden Ausgleich zum Berufsalltag zu schaffen
Tipp: Walk and Talk – Produktivität trifft auf Bewegung
Bewegung ist für mich ein wesentlicher Schlüssel für mehr Wohlbefinden. Daher nutze ich für mich sehr gerne Walk-and-Talk-Termine. Denn nicht jedes Gespräch muss vor einem Bildschirm stattfinden. Viele Abstimmungen lassen sich genauso gut bei einem Spaziergang führen – oft sogar besser.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Der Kopf wird freier.
- Der Körper kommt in Bewegung.
- Die Energie steigt.
- Gespräche verlaufen häufig klarer und fokussierter.
Deshalb lohnt es sich, gelegentlich zu hinterfragen:
Muss dieses Gespräch wirklich online stattfinden? Oder genügt vielleicht ein Telefonat während eines Spaziergangs?
Drei einfache Schritte für weniger Multitasking
Wenn Du ständig zwischen Aufgaben wechselst, beginne mit diesen drei Schritten:
- Hör auf zu springen
Arbeite an einer Aufgabe, bis Du einen sinnvollen Zwischenstand erreicht hast.
- Definiere drei Prioritäten
Lege jeden Morgen fest, welche drei Dinge heute wirklich wichtig sind.
- Schaffe klare Grenzen
Lege Dein Handy außer Sichtweite, schalte Benachrichtigungen aus und plane feste Zeiten für E-Mails und Nachrichten.
Fazit: Produktivität beginnt mit einer Entscheidung
Der erste Schritt zu mehr Fokus und weniger Multitasking ist die bewusste Entscheidung, worauf Du Deine Aufmerksamkeit richtest.Denn Produktivität entsteht nicht dadurch, möglichst viele Dinge gleichzeitig zu erledigen. Sie entsteht dann, wenn Du Dich auf das konzentrierst, was wirklich wichtig ist und diesem Thema Deine volle Aufmerksamkeit schenkst. Genau darin liegt die Kraft von Fokus. Und genau deshalb ist Fokus heute eine der wertvollsten Fähigkeiten überhaupt.
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FAQ
Was ist Multitasking?
Multitasking bezeichnet das gleichzeitige Bearbeiten mehrerer Aufgaben. Tatsächlich wechselt das Gehirn jedoch meist sehr schnell zwischen verschiedenen Tätigkeiten, anstatt sie parallel auszuführen. Die Folgen sind weniger Produktivität und letztlich auch mehr Erschöpfung.
Warum macht Multitasking unproduktiv?
Jeder Aufgabenwechsel kostet Zeit und Energie. Dadurch steigt die Fehlerquote, die Konzentration sinkt und Aufgaben dauern länger als notwendig.
Wie kann ich mich besser fokussieren?
Fokuszeiten im Kalender, weniger Unterbrechungen, klare Prioritäten und ein bewusster Umgang mit digitalen Medien helfen Dir dabei, konzentrierter und produktiver zu arbeiten.
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Deine Judith Geiß
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